Stadt der Legenden

Toledo ist eine Stadt der Magie, der Nachtschwärmer, der Betörung und der Boheme... Dies ist die dunkle Seite Toledos, die zwischen den historischen Mauern auf den Besucher wartet. Dieser Aspekt war es, in den sich große Künstler wie Quevedo, El Greco, Bécquer, Buñuel, und auch der große Paco de Lucía verliebten.

Die Legenden, sind ein Zeugnis der Spuren, die diese Persönlichkeiten und einige weitere, deren Namen nicht überliefert sind, in der Folklore hinterlassen haben. Es handelt sich um faszinierende Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben worden sind...

Diese Legenden zeigen die dunkle, aber faszinierende Seite der Stadt Toledo.

Der Tarpejische Fels

Die Legende besagt...

Die Legende besagt, dass zur Zeit von Romulus, im alten Rom, die Römer sich in der Festung des Kapitols verschanzten, um die Angriffe der Sabiner, einem Volk, das wenige Kilometer von Rom zwischen dem Tiber und dem Apenin ansässig war, abzuwehren. Womit die Römer nicht gerechnet hatten, war, dass Tarpeya, die junge Tochter des Wächters besagter Festung, Tarpeyo, sich in den König der Sabiner, Tito Tacio, verliebte und diesem die Tore der Festung öffnete, um ihn an sich zu binden.

Die Sabiner, ein ehrwürdiges Volk, ließen Verrat keinesfalls zu, und so auch nicht Verrat durch einen Feind zu ihren Gunsten. Deshalb stürmten sie zur Festung des Kapitols und töteten die Verräterin Tarpeya, indem sie sie mit dem Gewicht ihrer Schilder erdrückten.

Die Legende liefert uns immer die schönsten und interessantesten Details der Vorfälle, die oft nicht viel Wahres und Geschichtliches in sich tragen. Oft gibt es von dem, was erzählt wird, mehrere verschiedene Versionen, was auch bei historischen Ereignissen oft der Fall ist, je nachdem wie und von wem das Ereignis interpretiert wird. Somit werden wir zwei weitere Versionen über den Verrat und den Tod der Verräterin Tarpeya anführen. Die erste Version besagt, dass es die Römer selbst waren, die nach Bemerken des Verrates Tarpeya von einem Fels hinabstürzten, der sich ganz oben auf der Festung des Kapitols befand; es war der Fels, von dem Verräter hinuntergestürzt wurden. Noch heute ist dieser als Tarpejischer Fels bekannt.

In der letzten Version, die wir noch anführen wollen, verwandelt sich die Liebe der jungen Tarpeya in Habgier, sodass die Tochter von Tarpeyo den Sabinern die Tore der Festung öffnete, um im Gegenzug die goldenen Armreifen, die sie am linken Arm trugen, von ihnen zu bekommen. Dieser Legende nach starb Tarpeya an dem Gewicht besagter Armreifen, als sie die Feinde nach ihrem Eindringen in die Festung hinunterstürzen wollte.

Aus dieser Begebenheit heraus nützten die Römer den Tarpejischen Felsen, um alle des Verrates Verurteilten von hier hinunter zu stoßen.

In der Hauptstadt Toledo, allerdings zwischen Legende und Realität schweifend, war es so, dass die Römer, welche im ersten Drittel des 14. Jh.s die Gebieter der Stadt waren, ihre Gesetze, Sitten und, laut den Christen, ihre heidnische Religion einführten. So ordnete der Gouverneur von Spanien, Dacianus, an, alle Christen für vogelfrei zu erklären und zu enteignen sowie ihre Kirchen zu zerstören und ihre heiligen Bücher zu verbrennen. All diejenigen, die die römischen Götter nicht anerkannten, wurden in die unheimlichen Kerker des Stadtgefängnisses gebracht, das sich auf dem Felsblock befand, der heute als Roca Tarpeya bekannt ist, ganz in der Nähe des Paseo del Tránsito gelegen. All jene, die grausamerweise zum Tode verurteilt worden waren, wurden in Anlehnung an die Gepflogenheiten auf dem römischen Tarpejischen Felsen vom Felsblock in den Abgrund des Flusses Tajo hinuntergeworfen, was den sicheren Tod zur Folge hatte.

In dieser schrecklichen Zeit kam wieder einmal die Liebe ins Spiel.

Und zwar: Der Kerkermeister des Gefängnisses von Toledo, ein fanatischer Verfechter der römischen Religion, war der Vater eines wunderschönen jungen Mädchens, das Quellen zufolge Paula oder Octavilla hieß und heimlich den christlichen Glauben angenommen hatte und das in Cleonio, einen jungen Christen, verliebt war.

Am 9. Dezember des Jahres 306 spazierte Paula durch einen Innenhof des Gefängnisses und kreuzte den Weg ihres Geliebten, als dieser gerade von römischen Soldaten zum Roca Tarpeya gebracht werden sollte, von wo er auf ein Zeichen des fanatischen Kerkermeisters ins Nichts gestürzt werden sollte. Dem jungen Cleonio gelang es bei dieser flüchtigen Begegnung, Paula ein kleines Kreuz zu übergeben, das er in seinem Mund versteckt hatte. Jenes Kreuz, welches das Mädchen küsste und dann unter ihrer Brust für immer bei sich trug.

Nach dem Tod Cleonios ergriff die junge Paula eine unheimliche Traurigkeit und ein tiefer Schmerz, woraufhin sie starb. Vor dem Akt des Begräbnisses fand ihr Vater zwischen ihren Gewändern das kleine Kreuz; dieses Fundstück ließ ihm nun klar werden, warum die Jugendlichkeit seiner Tochter nach dem Tod Cleonios verblasst war. Der Kerkermeister - so wird es in einer der Versionen der Legende geschildert - konvertierte nach dem Tod seiner Tochter zum Christentum, woraufhin er möglicherweise aus selbigem Grund ebenso vom Roca Tarpeya gestürzt wurde.

In einer anderen Version der Legende wird auf die tiefe Traurigkeit Paulas nach dem Tod Cleonios nicht Bezug genommen. Hier wird erzählt, dass am Tag von Cleonios Tod in einer Prätorianerzelle die jungfräuliche Märtyrerin Leocadia von Toledo verstarb, die mit ihren Fingern das Zeichen des Kreuzes in den dicken Felswänden des Gefängnisses eingravierte.

Im Jahr 1953 beschloss der Bildhauer Victorio Macho aus der Provinz Palencia, sein Haus und seine Werkstatt auf dem Roca Tarpeya über dem Tajo zu erbauen, von wo sich ein beeindruckender und wunderschöner Blick auf einen Teil der toledanischen Landhäuser mit ihren Obstplantagen bietet. Nach seinem Tod vermachte er sein gesamtes Werk dem spanischen Volk. Er verfügte in seinem Testament, dass sein Vermächtnis für immer im Besitz der Stadt Toledo bleiben sollte, und zwar in jenem Museum, das 1967 eröffnet wurde und seinen Namen trägt, aber auch unter Roca Tarpeya bekannt ist. Zum Glück ist aus dem einstigen Felsen der Qual noch ein Stück Kultur geworden.

Der Kuss

Die Legende besagt...

Es war der Anfang des 19. Jahrhunderts. Napoleons Truppen hatten gerade Toledo besetzt (1808-1812). Die französischen Soldaten hatten die Straßen und viele historische Gebäude erobert, und ohne Zeit zu verlieren, hatten Sie Kirchen und Klöster in Gefängnisse umgewandelt. In einem dieser Klöster, San Pedro Mártir, erlebte eine Gruppe von Soldaten eine der schaurigsten Geschichten, die man sich nur vorstellen kann, und die sie bis an ihr Lebensende verfolgte.

Alles begann, als ein Hauptmann und sein Dragonerregiment lärmend auf die Plaza Zocodover vordrangen. Hier empfing sie ein Soldat, dem die Aufgabe übertragen worden war, die Neuankömmlinge in der Stadt "unterzubringen". Nach dem Austausch der militärischen Grüße wurde der junge Hauptmann darüber informiert, welche Unterkunft man für seine Truppe ausgesucht hatte. Als ihm mitgeteilt wurde, dass es sich um ein Kloster handelte, fragte er, ob es nicht einen etwas passenderen Ort für seine Leute gäbe, doch schlussendlich musste er die Entscheidung akzeptieren, denn das Alcázar war schon voll besetzt und sogar im Kloster San Juan de los Reyes mussten sich die Soldaten schon aneinanderdrängen.

Nachdem dies geklärt war, folgten der Hauptmann und sein Regiment ihrem Landsmann bis zu der für sie ausgesuchten Unterkunft. Nachdem sich die Truppe in der Kirche niedergelassen hatte, dauerte es nicht lange, bis die Soldaten, die von der langen Reise erschöpft waren, in tiefen Schlaf versanken. Sie schenkten den Statuen aus weißem Marmor, deren Silhouetten man im Licht einer Laterne gerade mal erkennen konnte und deren Schatten sich in der Dunkelheit verloren, kaum Aufmerksamkeit. Der junge Hauptmann aber tat die ganze Nacht kein Auge zu, und konnte seinen Freunden, als sie sich am Morgen auf der Plaza Zocodover trafen, bis ins kleinste Detail erzählen, was passiert war. Seine Kollegen wollten zunächst den Grund für seine Schlaflosigkeit wissen. Es verblüffte die Gruppe, als der Hauptmann erzählte, dass eine Frau der Grund dafür gewesen war. Die Überraschung und das Gelächter waren noch größer, als der Kapitän schließlich erklärte, dass es sich um eine Statue gehandelt hatte. Die Statue bildete eine Frau ab, die nach den Formen zu schließen, die ihr Schöpfer ihr verliehen hatte, eine der schönsten Frauen ihrer Zeit gewesen sein musste. Der junge Soldat wurde nicht müde, die Schönheit dieses Geschöpfs aus weißem Marmor zu beschreiben; er erzählte sogar von der Eifersucht, von der er ergriffen wurde, als er entdeckte, dass die Dame von einem Herrn begleitet wurde und dass es sich laut Inschrift um ein Mausoleum handelte, in dem die sterblichen Reste des vierten Grafen von Fuensalida, Pedro López de Ayala, und seiner Gattin, Elvira de Castrañeda, ruhten.

Nach dieser Schilderung zeigten die Freunde des Hauptmannes großes Interesse an der "Geliebten" des Hauptmannes. Ohne weitere Zeit zu verlieren, beschlossen sie, die Dame noch in dieser Nacht zu besuchen, um ihre Schönheit zu bewundern. Das Treffen, das sich sogleich in eine Willkommensfeier für den gerade erst angekommenen Hauptmann verwandelte, dauerte bis spät in die Nacht. Während sich der Großteil der Männer bestens unterhielt und vergnügte, was dem Effekt des Weins zu verdanken war, schien der Hauptmann abwesend zu sein. Ohne zu bemerken, was um ihn herum vorging, hörte er nicht auf, die schöne Dame zu betrachten, die ihn wach gehalten hatte. Als seine Kollegen dies bemerkten, versuchten sie, seine Aufmerksamkeit zu erwecken, damit er mit ihnen anstöße. Doch der Hauptmann nahm ein Glas und richtete seine Worte an die Statue des Grafen. Er dankte ihm mit ironischen Worten, dass er es ihm erlaubte, seine Ehefrau zu umwerben. Doch gleich danach wurde er wütend, trank einen Schluck Wein und spuckte ihn auf die steinerne Figur von Pedro de Ayala. Nun versuchten seine Kameraden, ihn zu beruhigen. Sie waren verblüfft ob der Tatsache, dass der Hauptmann durch die Schönheit einer Frau so durcheinander gebracht worden war, wenn es sich doch nur um eine marmorne Statue handelte.

Doch der Hauptmann hatte nur Augen für Elvira de Castañeda. Er konnte dem Verlangen nach dieser Frau, die für ihn aus Fleisch und Blut schien, nicht widerstehen. So brachte er seine Lippen näher an die kalten Lippen der Statue heran. Er wollte nur einen Kuss, um seine Unruhe zu stillen und seinen Geist zu beruhigen, der nicht mehr in der Lage war, zwischen Fantasie und Wirklichkeit zu unterscheiden. Er hatte sich in obskuren Labyrinthen verloren, die ihm nicht mehr erlaubten, in die richtige Welt zurückzukehren. Er wollte sie umarmen und ihre Nähe spüren.

Die Besessenheit hatte so weit von ihm Besitz ergriffen, dass es keiner seiner Kameraden wagte, auch nur einen Finger zu rühren, um den tragischen Ausgang zu verhindern. Einer von ihnen rang sich durch, schüchtern zu bitten, doch die Toten in Ruhe zu lassen. Doch der Hauptmann ließ sich nicht beirren und war fest entschlossen, seiner "Geliebten" einen Kuss abzuringen. Doch es gelang ihm nicht.

In diesem Moment erhob der Graf seinen steinernen Arm und ließ ihn auf den Hauptmann niedersinken, der sofort zu Boden ging. Als er auf den Boden fiel, sahen seine perplexen Freunde, dass es aus Mund und Nase blutete. Niemand wagte es, den Körper zu bewegen. Der junge Kapitän war tot.

Der Christus der Messerstiche

Die Legende besagt...

Wir befanden uns im unglücklichen und turbulenten Reich von Heinrich IV, dem Impotenten, der eher wegen seiner mangelnden Scharfsinnigkeit und wegen seiner schlechten Regierungsführung als wegen seiner angeblichen Unfähigkeit, Thronfolger zu zeugen, diesen Übernamen bekommen hatte. Kastilien war von ständigen Kämpfen übersäht, denn die verschiedenen Adelsfamilien waren bestrebt, sich die Macht unter den Nagel zu reißen, die der schwache und unberechenbare König nicht in der Lage war, auszuüben. In Toledo lieferten sich die neuen und die alten Christen, angeführt von der Ayala-Familie, einen erbitterten Kampf. Der Konflikt artete schließlich aus und konzentrierte sich auf die Zone um die Kathedrale, deren Mauern mit dem Blut der Kämpfer befleckt wurden.

In einer Villa im nahe gelegenen Viertel San Justo wartete eine Dame am Fensterladen. Isabel war nervös und hoffte, dass ihr Verlobter, Diego de Ayala, bald zurückkehren würde, wenn es zu einem kurzen Waffenstillstand käme. Plötzlich hörte sie Schritte und Geräusche vor der Eingangstür. Sie lief freudig zur Tür, voller Erwartung, sich an die warme Brust ihres Diego werfen zu können, doch als sie die Tür öffnete, wurde sie von eisernen Armen in die Höhe gehoben und eine grobe Hand wurde auf ihren Mund gelegt, so dass ihr ein verzweifelter Hilfeschrei im Halse stecken blieb.

Ohne davon etwas zu ahnen, überquerte Diego de Ayala die Plaza de San Justo. Er war müde und erschöpft von den ständigen Kämpfen der letzten Tage, doch der Gedanke, seine geliebte Isabel wieder zu sehen, verlieh ihm neue Kräfte. Mit diesem Gedanken im Kopf kniete er vor der Figur des barmherzigen Christus nieder und bekreuzigte sich. Als er seinen Weg fortsetzte, schien es ihm, als hörte er verzweifelte, im Keim erstickte Schreie. Plötzlich von Furcht ergriffen, machte er einige Schritte in Richtung der Straße, wo seine Angebetete wohnte, als er gerade noch eine Gruppe von Maskierten sah, die um die Ecke bogen, eine geknebelte Frau mit sich schleppend, die versuchte, sich von ihren Entführern zu lösen.

Zornerfüllt erhob Diego sein Schwert, um der Frau zu helfen, die so brutal behandelt wurde. Mit einem entschlossenen Hieb schlug er einen der Unholde wieder und rettete so die Dame. Seine Überraschung war groß, als er sie in seine Arme nahm und ihre Augen erblickte. Es war Isabel, seine Verlobte!.

Diego war ein ausgezeichneter Kämpfer und trat den ihm zahlenmäßig überlegenen Männern furchtlos entgegen. Doch am Ende waren es zu viele, und er sah sich gezwungen, den Rückzug anzutreten, während er den zitternden Körper seiner Isabel an sich zog. In einem Versuch, die feindlichen Linien zu spalten, tat er einen geschickten Schwerthieb und verletzte einen seiner Gegner. Dieser fiel zu Boden und versuchte, sich unter seiner Bande zu verstecken. Doch Diego de Ayala erkannte den Anführer der Bande sofort. Die bösartigen Augen und das ironische Grinsen waren nicht zu verkennen. Es handelte sich um Lope da Silva, seinen erbitterten Rivalen, der vor langer Zeit ein Verehrer Isabels gewesen, doch von ihr zurückgewiesen worden war. Er war es, der diese schlimme Tat zu verantworten hatte, diese niederträchtige Revanche. Diego erschrak angesichts dieser Entdeckung und verlor kurz die Konzentration, worauf er den kalten Stahl des Schwerts spürte, der in sein Fleisch eindrang.

Schwer verletzt, lehnte er sich an die Ecke der Kirche San Justo. Als er die Augen öffnete, erkannte er die Statue des barmherzigen Christus, die von einer bescheidenen Laterne beleuchtet wurde. Er hörte das verzweifelte Schluchzen seiner Geliebten, und schickte ein Stoßgebet zum Himmel..

- Lieber Gott! Nicht für mich, sondern für sie... Übe deinen Willen mit mir aus, Herr, aber rette das Leben und die Ehre des Mädchens.

In diesem Moment öffneten sich plötzlich die Wände der Kirche, und Diego und Isabel fanden sich im Inneren des Gotteshauses wieder, als ob eine übernatürliche Gewalt in der Dunkelheit der Nacht gehandelt hatte, unsichtbar für Menschenaugen. Die Steine schlossen sich hinter ihnen, und ließen eine Mauer der Stille zurück. Auf der anderen Seite erstarrten die Schläger inmitten ihrer Schwerthiebe. Doch dies war nur ein kurzer Moment des Erstaunens. Die verblüfften und wütenden Männer entluden ihren Frust an der Kirchenwand. Immer wieder schlugen sich mit ihren Schwertern und stachen sie mit ihren Messern in die geheiligten Steine. Sie waren so von Hass erfüllt, dass sie Spuren hinterließen, die in alle Ewigkeit erhalten bleiben würden. Sodann erklang die Stimme von Lope de Silva:

- Sie sind in der Kirche! Reißt das Tor nieder und tötet den verfluchten Don Diego, um das Blut unserer Gefallenen zu vergelten.

Die wütende Meute machte sich dann über das Tor der Kirche her; und dieses hätte auch nachgegeben, hätte eine übernatürliche Macht dies nicht verhindert. Ohne menschliches Zutun begannen plötzlich die Glocken der Kirche Alarm zu schlagen. Wenige Momente später erhellten sich die Fenster im gesamten Viertel und die Bewohner traten auf die Straße heraus, da sie das plötzliche Getöse alarmiert hatte. Als er die Menschenmengen erblickte, die plötzlich auf den Platz gekommen waren, gab Lope de Silva auf und flüchtete mir seinen Handlangern, so schnell, wie seine zitternden Beine es ihm erlaubten.

Als die Nachbarn ins Innere der Kirche vordrangen, fanden Sie dort eine mit Tränen überströmte Isabel vor, die die Verletzungen ihres geliebten Diego mit Bändern verband, die sie von ihrer Bluse abgerissen hatte. Die Glocken schlugen immer noch laut und wütend, ohne dass sie von Menschenhand bewegt wurden.

Lope de Silvas Flucht nützte ihm nicht viel, denn kurze Zeit später, als wieder Frieden in der Stadt herrschte und seine Bande zerschlagen worden war, wurde auch er festgenommen und für seine Gewalttaten verurteilt.

Zwei Monate später befand sich Diego wieder im Inneren der Kirche, wo er fast sein Leben gelassen hätte. Er kniete nieder, und hörte nicht auf, zu beten und demjenigen zu danken, der ihm in jener dramatischen Nacht zur Hilfe gekommen war: dem barmherzigen Christus, oder wie er in Toledo bereits genannt wurde, der "Christus der Messerstiche". An seiner Seite befand sich Isabel, ebenfalls auf Knien und tief in ihre Gebete versunken. Ihre Schönheit, Sanftheit und Eleganz strahlten in ihrem wunderschönen Brautkleid, während die beiden auf den Moment warteten, in dem sie ihr Leben und ihr Schicksal für immer vereinen würden.

Der bittere Brunnen

Die Legende besagt...

Eine Nacht nach der anderen kam es zum heimlichen Treffen der beiden Liebhaber. Sie täuschten die Wachleute, um zusammen sein zu können; nur der Mond war Zeuge ihrer verliebten Blicke.

Er, Fernando, war eilig zum Treffpunkt gekommen, nachdem er sich ungesehen aus dem Haus geschlichen hatte. Er hatte abgewartet, dass seine Mutter, Doña Leonor, anfing, den Rosenkranz zu beten, wie sie das immer bei Einbruch der Dunkelheit zu tun pflegte. Auch die Diener des noblen Hauses hatten bereits begonnen, die Türen ihrer Zimmer zu schließen.

Als der Moment gekommen war, entwischte Fernando so diskret, dass es niemand bemerkte.

Raquel, die schöne Raquel. Seine geliebte Raquel. Sie war die Tochter eines wohlhabenden Juden, in dessen kleinem Palast sie beinahe in Zurückgezogenheit lebte. Die Strenge des Vaters bestimmte die Verhaltensnormen im Haus. Möglicherweise war ihm etwas zu Ohren gekommen. Vielleicht hatte sogar jemand einen gewissen jungen Christen erwähnt. Levi hätte niemals eine Liebesbeziehung akzeptiert, die gesetzlich verboten war, und er hätte sich schon gar nicht in seinem eigenen Haus hintergehen lassen. Deshalb entschied er und kein anderer darüber, wie seine Tochter ihrer Zeit zu verbringen hatte.

Als es Nacht wurde und alle bereits schliefen, wartete Raquel ungeduldig hinter den Gitterfenstern ihrer Gemächer. Als sie das Signal hörte, lief sie in den Garten, wohin es Fernando wieder einmal geschafft hatte, vorzudringen. Dort gestanden sie sich wieder einmal ihre Liebe. Sie träumten von der die Zukunft und von Emotionen bewegt besprachen sie ihre gegenwärtige Situation. Es mag sein, dass jeder von ihnen seinem eigenen Gott für die große Liebe dankte, die sie gefunden hatten. Und damit waren sie glücklich, denn in diesen Momenten berührten sie weder Gesetze noch Menschen, die ihren Frieden stören könnten.

Plötzlich erklang ein Geräusch im Dickicht des Gartens. Die Stille wurde durch das Knirschen trockener Blätter gestört. Fernando und Raquel sahen sich gegenseitig an, vor Überraschung wie vor den Kopf gestoßen. Sie verblieben in Stille. Sie warfen nervöse Blicke in die Umgebung; alles war ruhig. Sie warteten dennoch einige Sekunden mit großer Anspannung. Sie spitzten ihre Ohren und öffneten ihre Augen, und ihr Herz schlug wild... Doch die Stille der Nacht beruhigte sie schließlich von neuem. Noch immer wagten sie es nicht, zu sprechen; doch sie lächelten sich gegenseitig an und Raquel seufzte erleichtert auf, während sie ihrem Geliebten die Augen schloss. Doch dann erschauderte sie, denn sie fühlte, wie aus den Händen ihres Angebeteten zwischen ihren Fingern alle Lebenskraft erlosch. Sie konnte nur zusehen, wie sein verletzter Körper langsam zu Boden sank.

Raquel erstarrte vor Schreck. Fernando lag leblos auf dem Boden. Ein Dolch steckte in der tödlichen Wunde. Einer der Wachleute, die unter Levis Befehl standen, hatte seine Arbeit getan. Ein einziger Messerstich hatte den jungen Christen getötet.

So würde die junge Tochter im Haus des Vaters bleiben, ihre Ehre gerettet, das Gesetz gewahrt und die Gerüchte verstummt. Raquel wollte aus diesem bösen Traum erwachen. Doch die schreckliche Szene, die sie gerade erlebt hatte, war wirklich geschehen.

Dann kam Bitterkeit über sie; wie ein Gift drang sie in den Körper der jungen Frau ein. In ihrem Herzen wurde es dunkel. Raquel verbrachte lange Tage in Einsamkeit, am Brunnenrand in jenem schicksalsträchtigen Garten sitzend. Bittere Tränen tropften von ihren Augen. Sie entsprangen direkt aus ihrer Seele, und fielen in das Wasser des Brunnens, das ebenfalls bitter wurde.

Raquel, die untröstliche Raquel, wollte nur auf ewig weinen. Doch dann erspähten ihre trüben Augen einen Lichtschein in der Tiefe des Brunnens. Es war das Licht des reflektierten Mondes. So hörte sie auf, zu weinen, und trocknete ihre Tränen. Sie lehnte über den Brunnen, und es war ihr, als erblickte sie die Gestalt Fernandos. Erneut wischte sie sich die Tränen aus den Augen. Fernando lächelte ihr zu und streckte seine Hände aus, um die ihren zu erfassen. Raquel zögerte keine Sekunde. Sie stürzte sich in die Tiefe, um mit ihrem Geliebten in einer Umarmung zu verschmelzen. Ihr Weinen würde nun doch nicht ewig sein, doch ihre Umarmung sehr wohl.

Der Hampelmann

Die Legende besagt...

An einem herbstlichen Morgen, als die Straßen mit Ulmenblättern und Kastanien bedeckt waren, sprachen der Abiturient Rui López de Dávalos (Großvater des späteren Herrschers über Toledo) und der Tauschierer Bernardino Moreno de Vargas gerade über die Festtage von Esquivias, als sie weniger als dreißig Meter entfernt den Uhrmacher von Kaiser Karl V. erblickten, der fast ausschließlich unter dem Namen Juanelo Turriano bekannt war (er war um die Jahrhundertwende auf den Namen Giovanni Torrino getauft worden). Dieser spazierte in Richtung des kleinen Platzes, wo sich die beiden aufhielten und die Sonnenstrahlen dieses schönen Morgens genossen. Das Überraschende war nicht, dass sie den italienischen Ingenieur und Mathematiker erblickten; schließlich pflegte dieser stets am Morgen mit seinem Diener, Jorge de Diana, Spaziergänge durch die Stadt zu machen, wo er von Handwerkern und Geistlichen, Akademikern und Kaufmännern, von Höflingen und vom einfachen Volk freudig begrüßt wurde. Man hatte nicht vergessen, dass er mit seiner Konstruktion den Durst des von einer Stadtmauer umgebenen, auf einem steilen Hügel gebauten Toledo gestillt hatte.

Doch die perplexen Blicke der Beiden an jenem Tag um 1960 herum richteten sich nicht auf den Ingenieur, sondern auf seinen seltsamen Begleiter, bei dem es sich nicht um seinen Helfer Jorge handelte. Der fremde Mann ging nämlich sehr unsicheren Schrittes, und schunkelte hin und her, als habe er den Wein aus El Toboso zu früh am Morgen und zu schnell getrunken.

Als Juanelo und sein rätselhafter Kumpan keuchend und mit großen Schritten zu Rui und Bernardino gelaufen kamen, waren diese nicht in der Lage, auch nur ein Wort zu sprechen und den großen Uhrmacher in aller Form zu begrüßen, wie das in Kastilien so üblich war. Sie blieben wie erstarrt stehen und rührten sich nicht vom Fleck, von irgendeinem Fluch verhext, als ob zwei Teufelsritter auf dem Rücken von Drachen herbei geflogen wären. Doch nicht nur die Beiden erschauderten, sondern auch die restlichen Nachbarn, die sich in diesem Moment in der Nähe aufhielten, konnten nicht glauben, was sie an diesem Morgen im frühen November sahen. Einige von ihnen gingen sogar auf die Knie, um Stoßgebete gen Himmel zu schicken, und den Herrn um Hilfe zu bitten.

Turriano, dem die Erschrockenheit seiner Nachbarn nicht aufgefallen war, setzte seinen Weg durch die enge Gasse fort, die zum Bischofspalast führte, wobei er seinen Begleiter mit einem Arm festhielt, damit dieser nicht zu Boden ging. Bei der misteriösen Person, die die Nachbarn so erschreckt hatte, anstatt Bewunderung zu erregen, handelte es sich um eine hölzerne Figur, einen Hampelmann, der sich so elegant und grazil bewegte, dass er den Wasserleitungen um nichts nachstand, die jeden Morgen das Wasser von der Brücke San Martín auf die Plaza Zocodover transportierten, um die durstigen Kehlen der Gerber, Schmiede und Töpfer zu erfrischen, die mit lauten Schreien am Markt ihre Handwerksprodukte verkauften. Am nächsten Tag machte sich Juanelo Turriano mit seinem Roboter von neuem auf seinen morgendlichen Spaziergang. Wenn die Menge auch erneut sehr misstrauisch gegenüber seiner neuen Erfindung war, so verwandelte sich dieses Misstrauen doch sogleich in Bewunderung gegenüber dem genialen Ingenieur. An diesem Tag schritt der Roboter schon mehr auf königliche Gehweise durch die Straßen, was in Toledo zu dieser Zeit sehr modisch war, nachdem die Ikonografie von Karl V. und der Liebe seines Lebens, Isabel von Portugal die Stadt erreichte hatte, die sich am Morgen des legendären, damals bereits weit zurückliegenden Morgens des 11. März 1526 kirchlich getraut hatten.

Es war ein historischer Morgen, der von den Massen kommentiert wurde, als sich die Nachricht schneller ausbreitete als das Schießpulver des Kaisers in seinen europäischen Territorien. Hunderte Toledaner standen an diesem Morgen früh auf, um die neue Erfindung von Juanelo Turriano mit eigenen Augen zu sehen. Sie stellten sich in scheinbar unendlichen Reihen auf, als ob sie die Corpus Christi-Prozession verfolgten, und sie warteten geduldig, bis der Uhrmacher sich auf den Weg von seinem Haus in Richtung Palast machen würde. Sogar Mitglieder der Inquisition waren zugegen, um sicherzustellen, dass der Ketzergeist nicht von dem bis dahin vorbildlichen Katholiken Besitz ergriffen hatte.

Der Uhrmacher verließ sein Haus um die gleiche Uhrzeit wie jeden Morgen, doch zur allgemeinen Enttäuschung wurde Juanelo an diesem Tag wieder von seinem Diener, Jorge de Diana, begleitet, und nicht von der faszinierenden Gestalt, die hunderte Einwohner der Stadt so früh aus den Federn geholt hatte. Unter der Nachbarschaft erhob sich eine Stimme: "Mein Herr, wo haben Sie ihren berühmten Hampelmann gelassen, von dem ganz Toledo spricht, und der der Grund ist, warum wir hier alle versammelt sind?" Juanelo, der einen typischen Stoffumhang aus Segovia trug, da die Kälte des frühen Morgens einen schweren Winter prophezeite, wandte sich an die Gruppe, aus der die Stimme erklungen war, und antwortete mit bedächtiger Stimme und einem unvermeidlichen italienischen Akzent: "Keine Sorge, derjenige, den Sie Hampelmann nennen, ist für mich nur ein Zeitvertreib und ein Spielzeug. Er wird aus meinem Haus hervortreten, sobald die Sonne diesen Platz erhellt." Dies gesagt, machten sich Juanelo und sein Diener auf ihren Weg zur Alcántara-Brücke, um zu überprüfen, ob das große Wasserrad auch tadellos funktionierte, und ob die Wasserzufuhr ins Alcázar konstant war. Die Menge blieb zurück, und bewegte sich nicht vom Fleck. Keiner wagte es, seinen privilegierten Platz zu verlassen, der es ihm ermöglichen würde, die sich bewegende Statue zu sehen.

Sodann öffnete die Hausherrin das Tor und brachte den hölzernen Mann auf die Straße, wobei sie ihn in die richtige Stadtposition bewegte, damit er seinen Weg finden würde. Dieser setzte sich sogleich in Bewegung, und nach vielen Verbeugungen und freundlichen Grüßen gelangte er schließlich zum Palast, wo er die Brot-, Fleisch- und Salzration entgegennahm, die Juanelo Turriano als Baumeister der Kathedrale zustand, dank einer Entscheidung von Kardinal Tavera, dem damaligen Prälat dieser Diözese. Nachdem er die Lebensmittel in einen kleinen Sack gegeben hatte, den er wie einen Rucksatz um die Schulter warf, drehte der hölzerne Mann um und kehrte zu seinem Herrn zurück, der ihn ungeduldig erwartete. Dieser Spaziergang beeindruckte die Einwohner Toledos, die von diesem Tag an mehr denn je überzeugt waren, dass in ihrer Nachbarschaft der größte und weiseste Wissenschaftler ihrer Zeit lebte.

Von diesem Moment an erreichte die Beliebtheit des Italieners neue Extreme. Immer mehr geniale Erfindungen, die er während seiner Zeit in Mailand gemacht haben sollte, wurden ihm zugeschrieben, und unter dem Pöbel herrschte das Gerücht, dass Karl V. ihn mit sich in seine Altersresidenz nach Yuste mitgenommen hatte, wo er in Zurückgezogenheit lebte, zusammen mit einigen anderen genialen Erfindern, Astrologen und Wissenschaftler, die den Kaiser mit ihren Erfindungen erfreuten. Man erzählte, dass er Vögel geschaffen hatte, die mit ihren Flügeln schlugen und sangen, und so wahrheitsgetreu waren, dass man sie anbinden musste, damit sie nicht davonflogen. Andere wiederum behaupteten, mehrere hölzerne Soldaten auf Pferderücken gesehen zu haben, die Trompete spielten und trommelten. Sogar sein treuer Freund und Chronist, Ambrosio de Morales, gab an, dass Juanelo das "Modell einer ca. 30 Zentimeter große Dame geschaffen hatte, die, wenn man sie auf einen Tisch stellte, zum Klang einer Trommel tanzte, die sie selbst spielte, und wieder dorthin zurückkehrte, von wo sie gekommen war."

So wurde der Hampelmann also zur größten Attraktion für die Einwohner Toledos. Auch aus den Dörfern und aus dem nahe gelegenen Madrid kamen Menschen angereist, um die fabelhafte Kreatur zu sehen, die manchmal alleine, manchmal von ihrem Schöpfer begleitet, jeden Morgen von dem Haus der weisen Italieners bis zum Palast spazierte, wo sie auch den Kirchenleuten zur Unterhaltung diente. "Jetzt sollte er nur noch sprechen können", bemerkte Saturnino Bellido, ein Kirchendiener des Erzbischofspalasts, der der erste war, dem die gehende Statue gegenüber trat, als sie die Lebensmittel ihres Herrn und Schöpfers entgegen nahm. Die Beliebtheit von Juanelos Kreation bewegte die Einwohner Toledos dazu, jene Straße, die sich direkt vor dem Palast befand, und die zu durchqueren der Hampelmann die größten Schwierigkeiten hatte, "Calle del Hombre de Palo" ("Straße des hölzernen Mannes") zu benennen.

Somit wurde der hölzerne Mann in der tausendjährigen Geschichte der Stadt Toledo verewigt. Immer noch gibt es die nach ihm benannte Straße, wo die hölzerne Gestalt, zwei Ellen groß und mit entsprechenden Gliedmaßen, manches Mal mit einem Rock, manchmal mit einer Halskrause bekleidet, stets eine außerordentliche Höflichkeit an den Tag legte, die die Einwohner Toledos sehr schätzten. Die Anhänglichkeit dieser Menschen war so groß, dass die der Gestalt ein eigenes Leben verleihen und sie wie einen Nachbarn behandeln wollten. So wurde ihm der Name Don Antonio gegeben, wenn auch um den Stammbaum Giovanni Torrianos nicht zu verletzen vermieden wurde, den Hampelmann Don Antonio Turriano zu taufen, ein Name, der ihm als von dem berühmten Uhrmacher geschaffene Kreatur zugestanden hätte.

Christus mit dem Totenkopf

Die Legende besagt...

Gustavo Adolfo Bécquer veröffentlichte in der Zeitung Contemporáneo vom 16. und 17. Juli 1862 eine Legende mit dem Titel "El Cristo de la Calavera" ("Christus mit dem Totenkopf"), die wie auch andere seiner Legenden in und um Toledo spielt. Dem romantischen Dichter selbst waren die Stadt Toledo und deren Geschichte sehr vertraut, wie uns B. Vidal Revuelta verrät.

Bereits im Straßenverzeichnis von 1778 scheint ein kleiner Platz namens Cruz de la Calavera in der Nähe des Plaza del Seco und des Hanges San Justo auf. Der Name dieses kleinen Platzes geht auf ein Bild zurück, auf dem der gekreuzigte Jesus mit einem Totenkopf auf den Füßen zu sehen ist und von einer kleinen Öllampe beleuchtet wird. Vermutlich liegt dem einen barocke Inspiration zugrunde.

Dieses Bild, so J. Porres, wurde wohl auf Anordnung der Stadtverwaltung während des ersten Carlistenkrieges, der im 19. Jh. begann, entfernt, oder das Bild erlitt im Laufe der Zeit irreparable Schäden, die schlussendlich zum völligen Verschwinden desselbigen führten. J. Moraleda beheimatet das Bild auf der Plaza de la Cabeza oder auf der Plaza de Abdón de Paz, obwohl zu jener Zeit, als dieser die Legende "Christus." schrieb, also im Jahr 1916, dieses bereits von seinem Platz entfernt worden war. Das Interessante an dem kurzen Text von Moraleda ist, dass er veranschaulicht, dass die Skulptur nur wenig von Kunst hatte und dass eine Liebesgeschichte von Bécquer ihr zu beachtlichem Ruhm verhalf. Es besteht kein Zweifel daran, dass dieses Kruzifix im Laufe des 19. Jahrhunderts verschwinden musste, wie Bécquer vermutlich selbst während seiner Zeit in Toledo erleben konnte. Über seine Existenz berichtet nach wie vor die Ortsnamenforschung von Toledo. Im Namensverzeichnis von 1864 scheint eine Cuesta de la Calavera (Hügel mit Totenkopf) auf, obwohl laut J. Porres dieser jenen Bereich abdeckt, der heute Cuesta del Pez genannt wird. Das Kruzifix mit Christus und dem Totenkopf befand sich in der Straße mit diesem Namen, unmittelbar hinter der Gasse Toro Richtung Cuesta de San Justo.

Der Einfallsreichtum und die Fantasie Bécquers, genährt durch die Betrachtung dieses Kruzifixes, den geschichtsträchtigen Namen desselbigen, durch seine Kenntnisse der toledanischen Geschichte und durch den Reiz, den alle Romantiker im Mittelalter verspürten, ließen diese Legende entstehen. Seinem Talent, und nicht der Tradition, muss man wohl die Entstehung der Legende von Christus und dem Totenkopf zuschreiben.

Aus Ermangelung genauer chronologischer Daten kann man die Legende entweder so um 1212, kurz vor der Schlacht von Navas de Tolosa, oder 1340, in den Tagen vor der Schlacht von Salado, einordnen. Zumindest schildert es F. Vidal Revuelta so. Bécquer erzählt, dass der spanische König einen Feldzug gegen die Mauren veranlasste. Am Tag vor Abmarsch des Heeres wurde ein feierlicher Abschiedsabend in den Gemächern der königlichen Festung veranstaltet. Unter anderem war auch das Fräulein Inés de Tordesillas, die schönster aller Damen Toledos, anwesend. Trotz ihres hochmütigen und eingebildeten Charakters wurde sie von Alonso de Carillo und Lope de Sandoval, zwei Edelmännern gleicher Standesherkunft, umworben.

Die beiden Herren nutzten die Anwesenheit von Fräulein Inés in einem der Gemächer, um die Dame mit leidenschaftlichsten Worten zu umwerben und den jeweils anderen zu übertrumpfen. Um eine unausweichliche Konfliktsituation zu vermeiden, beschloss die Dame, den Saal zu verlassen. Als sie sich erhob, fiel jedoch einer ihrer Handschuhe zu Boden und beide ihrer Anbeter versuchten, diesen aufzuheben. Keiner der beiden ließ den Handschuh los und während immer mehr Leute kamen, um das Gefecht mitzuverfolgen, erschien der König, nahm den Handschuh aus den Händen der beiden Männer und gab ihn der jungen Damen mit dem Rat, das nächste Mal besser aufzupassen. Die beiden Anbeter jedoch waren nicht bereit, das Duell zu vergessen.

Nach den Feierlichkeiten, als es bereits nach Mitternacht war, trafen sich Alonso Carillo und Lope de Sandoval, um ihren Kampf zu Ende auszutragen, den der König unterbrochen hatte. Nun allerdings ohne Zuschauer, ohne Anwesenheit der Geliebten und mit anderen Waffen. Sie suchten nach einem abgelegenen und beleuchteten Ort, wo sie ihr Duell austragen konnten. Nachdem sie durch mehrere Straßen gezogen waren, entdeckten sie das Licht einer Laterne, die sich neben einem Kruzifix befand. Auf dem Kreuz befand sich ein Bild des gekreuzigten Christus mit einem Totenkopf an seinen Füßen. Unter dem schwachen Licht, das von der kleinen Laterne ausstrahlte, begannen sie ihren Kampf. Aber unmittelbar nach Anstoßen des Degens an der Flamme ging diese aus. Als die beiden Männer von ihrem Kampf abließen, ging die Flamme wieder an. Das gleiche passierte drei Mal. Nachdem Sie eine mysteriöse Stimme vernommen hatten, sahen die vor Furcht erregten Edelmänner ein, dass Gott diesen Kampf nicht zulassen wollte. Und dann umarmten sie sich wie gute Freunde, die sie seit jeher gewesen waren.

Bei Tagesanbruch waren sich die beiden einig, dass sie Fräulein Inés aufsuchen würden, damit sie sich selbst für denjenigen von ihnen beiden entschiede, für den ihr Herz schlug. Nicht wenig überrascht waren die beiden, als sie vom Balkon der Dame einen anderen Mann, ihren Liebhaber, herunterklettern sahen. Die beiden jungen Männer lachten herzlich, als ihnen bewusst wurde, dass sie beinahe Leid und Tod für eine unerfüllte Liebe in Kauf genommen hätten. Noch am selben Morgen marschierten die beiden Freunde gemeinsam mit den Truppen des Königs in Richtung Sieg. Als Inés de Tordesilla die beiden Männer sah, konnte sie an ihren Gesichtern erkennen, dass sie ihr Geheimnis herausgefunden hatten.

 

Der Bach der Gerichteten

Die Legende besagt...

Noch waren die Christen von Toledo am Feiern des siegreichen Einzugs von Alfonso VI, und Patrouillen zu Pferde und kastilische Soldaten überwachten die engen Straßen und Gassen, um Unruhen zu vermeiden, als der junge und stolze Feldherr Rodrigo de Lara aus der Provinz León durch ein Bogenfenster eine maurische Schönheit sah, deren Antlitz und zarte Figur ihn entzückten. Rodrigo war verzaubert von ihrem betörenden und süßen Lächeln und von dem reinen Blick ihrer schlitzförmigen und braunen Augen. Noch weitere zwei Male ritt er gefolgt von seinen Leibwächtern an dem Haus vorbei, und von diesem Tag an ging er niemals durch diese Gasse, ohne darauf zu hoffen, die maurische Schönheit hinter einem heruntergelassenen Fenstergitter wieder zu sehen.

Zulema oder Zahira (so wie sie jene nannten, die ihren Namen gehört oder in alten Chroniken aufgeschnappt hatten) war die Tochter eines muslimischen Großgrundbesitzers, der bestrebt war, einen reichen Mann für seine Tochter zu suchen. Sie lebte unter der strengen Autorität ihres Vaters, und fremd waren ihr Freude und das lustige Treiben in den Straßen und auch die Rosen- und Jasmindüfte, die Parfumverkäufer am Basar anpriesen. Aber die göttliche Vorsehung stellte ihr eine christianisierte Sklavin zur Seite, die ihr von Jesus Christus und vom Leben Santa Casildas erzählte. In dem Mädchen wuchs der sehnliche Wunsch, getauft zu werden und den Namen der Prinzessin ihrer Abstammung, die den christlichen Glauben annahm, zu bekommen.

Die treue Dienerin, die die Wünsche des Mädchens kannte, schloss sich mit dem Ehrenmann aus León zusammen, und so wurden die Gitter an Zulemas Fenster Zeugen der häufigen Geheimbesuche und der Entstehung einer Romanze voller Freude und Hoffnung.

Zulema sprach mit ihrem Geliebten über ihre Wünsche, Christin zu werden, Casilda zu heißen und einen Mann an ihrer Seite zu haben, der sie vor der Bestrafung beschützen könnte, die sie aufgrund ihrer Abtrünnigkeit erdulden müsste. Er versprach ihr, ihre Haltung zu respektieren und sie zu heiraten, und mit Hilfe der Sklavin bereiteten sie die Flucht vor. Zulemas Vater war nicht zu Hause. Sie warteten bis es Nacht wurde, der Mond schien nicht, die Straßen waren leer und niemand lauerte von den Dachwohnungen auf. Der Moment war günstig. Rodrigo wartete in einer Ecke ganz in der Nähe. Eingehüllt in seinen Mantel hob er seine Geliebte auf die Kruppe seines Pferdes, und sie brachen ungeduldig im Galopp in Richtung Kapelle eines nahe gelegenen Schlosses auf, wo ein Priester auf sie wartete, um Zulema zu taufen und die beiden zu trauen. Als sie den Turm der Brücke Alcántara erreichten, geboten ihnen die Wachposten Halt. Der mutige Jüngling aus León stellte sich als Feldherr des königlichen Heeres vor ihnen auf, woraufhin ihnen die Tore geöffnet wurden und sie ihren Weg, der sie an ihr Ziel führen sollte, fortsetzen konnten.

Die Morgensonne ging bereits auf, als sie unverzagt auf die von weitem sichtbaren Silhouetten der großen Moschee und der Türme des Alcázar zuritten und sie plötzlich auf zwei sarazenische Reiter trafen, die sich in dieser Gegend herumtrieben. Als diese eine junge Frau sahen, die muslimisch geschmückt war, mit einem feinen Seidentuch auf dem Kopf und den Füßen und Händen kunstvoll bemalt, und auf der Kuppe des Pferdes eines Christen saß, dachten sie, er hätte sie entführt, und so tadelten sie ihn. Der furchtlose Jüngling ließ sich dies nicht gefallen, stieß den Sporn in die Flanke seines Pferdes, versuchte zu entkommen und machte sich gefolgt von seinen Angreifern auf einen abenteuerlichen Weg. Nachdem sie die Sohle des Abhanges nahe dem Bach erreicht hatten, hasteten sie über das felsige Gelände, und als sie versuchten, den Bach zu überqueren, stürzten sie ab. Die Mauren kamen ihnen nach und in einem Gefecht versetzte einer von ihnen Zulema mit dem Säbel an ihrem zarten Hals den Todesstoß.

Die Legende erzählt, dass der verliebte Feldherr sich durch den Anblick seiner schwer verwundeten Geliebten nicht verängstigen ließ: Er zog seine Lanze, tötete den Mörder und befahl dessen Gefährten zu fliehen. Als er sah, dass Zulema noch atmete, nahm er den Helm ab und machte sie mit dem Wasser des Baches zur Christin und gab ihr den Namen Casilda, so wie sie es sich gewünscht hatte. Dann nahm er ihren reglosen Körper in seine Arme, legte ihn auf sein Pferd und ritt weiter. Nachdem er vor dem Turm angekommen war, der sich neben dem Platz der Virgen del Valle erhob, bat er die Wächter um Hilfe, überquerte den Fluss Tajo mit dem Überfuhrboot, das er an dieser Stelle vorgefunden hatte, und setzte den traurigen und langen Weg fort, um seine Geliebte zur motzarabischen Kirche San Lucas zu bringen, wo sie ein christliches Grab bekommen sollte.

Wenige Tage später trat als Novize ins kluniazensische Kloster San Servando ein junger und stolzer Ritter namens Rodrigo de Laro ein, der nicht mehr auf dieser Welt leben wollte, ohne seine muslimische Geliebte an seiner Seite zu haben, die ihn eines Tages durch ein Bogenfenster eines muslimischen Hauses zum Lachen brachte; und man sagt, dass der Prior des Klosters ihm eine Sondererlaubnis gewährt hätte, damit er jeden Nachmittag an der Stelle des Baches beten könnte, wo die maurische Christin, die den Namen Santa Casilda tragen wollte, ihre Augen zum letzten Mal schloss.

Die Menschen von Toledo, die stolz auf ihre Traditionen und Legenden sind, haben diese schöne Liebesgeschichte nie vergessen, und bereits seit undenklichen Zeiten nennen sie das Bächlein, das von den Hochplateaus Legua und Sisla zum Fluss Tajo hinunterfließt, den "Bach der Gerichteten".

Die Rose der Leidenschaft

Die Legende besagt...

Von Sara, einer Jüdin aus Toledo, erzählt man sich, dass sie unsagbar schön war. Ihre jugendlichen sechzehn Jahre, ihre außergewöhnliche Anmut und ihr Halbwaisendasein ohne Mutter führten dazu, dass ihr Vater mit der Fürsorge und Aufsicht etwas über die Stränge schlug.

Daniel war der Name des Vaters. Er war Kunsthandwerker und fasste Edelsteine ein, reparierte fehlerhaftes Zubehör und Ketten und manchmal auch Türschlösser, Griffe und eine Unzahl anderer Gebrauchsgegenstände. Wegen seiner Arbeit genoss er hohes Ansehen unter den Nachbarn und Händlern, die seine Fähigkeiten sehr schätzten. Er hatte Einfluss in der lokalen hebräischen Gesellschaft, welcher er angehörte und in welcher er geachtet und respektiert wurde; nicht so von den ansässigen Christen in seiner Umgebung, die ihn als Geizkragen und Unheil ansahen, wohl aber wussten, dass er reich war und ihm förmlich und unterwürfig begegneten.

Traditionelle Versionen ordnen die Geschichte dem 13. bzw. 14. Jh. zu; die Legende spielt im und um das Zuhause von Daniel und Sara im kleinen Judenviertel in Toledo, ein gänzlich heterogenes Stadtviertel, denn hier siedelten sich auch die motzarabische Pfarrgemeinde Santa Justa mit ihren Gläubigen und auch Franken und Mauren an. Die Kunstwerkstatt befand sich unten und die Wohnung oben; so kommunizierten sie über eine enge Wendeltreppe. Der Geschäftsinhaber erledigte seine Aufträge im finsteren unteren Teil des Hauses; alle Menschen, die durch die Straße gingen, sahen in seine Werkstatt, trotz der Schutzblende bei Tageslicht.

Das Mädchen führte ein Leben in fast völliger Abgeschiedenheit. Sara waren nur bestimmte Ausgänge wie beispielsweise notwendige Einkäufe erlaubt und diese nur, ohne sich weit von zu Hause zu entfernen, unter anderem deswegen, weil sich in unmittelbarer Nähe eine Vielzahl an Läden befanden, wo sie alles bekam, was sie brauchte: Bänder, Spitzen, Nadeln, Kämme und verschiedenste Gewürze; manchmal dienten ihre Ausflüge der Erledigung bestimmter Aufträge für ihren Vater.

Bei ihren Besorgungen lernte Sara einen jungen, adretten, anständigen Christen mit besten Absichten kennen. Die beiden verliebten sich schließlich leidenschaftlich ineinander und sehnten sich immer mehr danach, sich wieder und wieder zu treffen. Der junge Mann hielt sich mit der Zeit immer öfters vor dem Haus auf, in dem das Mädchen wohnte, das zurückgezogen in ihrer Kammer durch kleine Öffnungen eines Geheimfensters hindurch Zeit und Ort für ein nächstes Treffen mit ihm vereinbarte.

Juden, die Sara ehelichen wollten, berichteten dem Vater der Hebräerin von der geheimen Beziehung zwischen ihr und dem Christen. Zunächst wollte der Kunsthandwerker dies nicht glauben, aber schließlich überzeugten ihn das unmissverständliche Gerede, das er rundherum hörte, und die Tatsache, dass ein Ungewünschter ständig auf dem Gehsteig vor seinem Haus spazierte und sein Gesicht zum Fenster des Hauses erhob, dass wahr sein musste, was man ihm erzählt hatte.

In höchstem Maße irritiert, machte er sich daran, die derartig unglimpfliche Bewerbung durch den hartnäckigen Streuner zu verhindern. Es war eine Zeit, in der extreme Vorurteile zwischen den gegensätzlichen Religionen bestanden. Der Hebräer rief seine Glaubensgenossen zusammen und er verschwor sich mit ihnen, um die kriminelle Auslöschung des wagemutigen Liebhabers zu veranlassen.

In der Nacht des Karfreitags trug etwas Unübliches auf dem Fluss sich zu. Mit dem Schiff den Fluss überquerend, bewegten sich Männer mit ihren verschleierten Gesichtern von einem Ufer zum anderen; sie fuhren von der Anlagestelle weg bis hin zu den Ausläufern der Hänge, die sich von der Peña del Rey Moro, übersetzt Stein des maurischen Königs, herunterzogen. Im Zick-Zack gingen sie die Hänge hinauf und wendeten dann nach links, bis sie eine Ebene erreichten. Sie wussten genau, wann sie am Ziel waren, denn in einer kleinen Rille befanden sich hier nach wie vor Reste eines antiken romanischen Tempels. Die nächtlichen Wanderer waren keine anderen als die Gefährten des rastlosen und unnachgiebigen Juden und er selbst, der entschlossen war, seine Ehre und die seiner Rasse zu retten.

Einige Anzeichen ließen Sara Verdacht schöpfen, dass gerade etwas Schreckliches passierte. Schnell lief sie los, um dem ungerechten Plan entgegenzuwirken und besorgt folgte sie den Schritten der bösartigen Rachwütigen. Sie fuhr mit dem gleichen Fährmann, der auch die vorherige Überfuhr ausführte, und von ihm bekam sie weiters Informationen über Worte, die er von den vorherigen Passagieren aufgeschnappt hatte. Als sie den Weg gegenüber der Anlegestelle hinaufging, fand sie noch rechtzeitig ihren Bewerber, der - von Ködern getäuscht - auf dem Weg zum vereinbarten Ort der verkannten Qual und des Todes ging, wovon er sich dank der tapferen Bereitwilligkeit seiner jungen Geliebten befreien konnte.

Diese ging zum vereinbarten Ort weiter, um ihren Vater für sein unwürdiges und verwerfliches Verhalten zu tadeln. Der alte Daniel - der schon seit geraumer Zeit verlebt und grau aussah - erblickte plötzlich das Mädchen, das auf einmal verbittert und bedrohlich vor ihm stand. Er geriet außer sich und reagierte nicht minder erbarmungslos. Verständlicherweise verfluchte sie ihren Vater und den Glauben seiner Verbündeten und gestand zudem, dass sie den christlichen Glauben angenommen hatte.

Nach weiteren Verfluchungen und Tadelungen, worauf die Bekehrte ihre Aussage widerrufen sollte, erkannte er ihr den Namen als Tochter ab, nachdem sie die Aussage nicht widerrufen hatte. Er schickte sie zu seinen Freunden, damit sie die Schlachtung, die vergeblich für den christlichen Geliebten vorbereitet worden war, bei ihr vollziehen würden. Voller Wut und Zorn zog er seine Tochter Sara am Haar, um sie dem Holocaust auszuliefern.

Der unnachgiebige Kunsthandwerker war in höchstem Maße erregt; teuflisch freute er sich über die Hilflosigkeit Saras und bat die am Talmud festhaltenden Henker, mit ihr gleich zu verfahren wie es Jahrhunderte zuvor mit Jesus von Nazareth gemacht worden war. Ihr Haupt wurde mit einer Dornenkrone bedeckt und sie wurde gekreuzigt, und um die Grausamkeit noch zu steigern, entzündeten sie Feuer an ihren Füßen, als sie bereits mit dem Tod kämpfte.

Jahre danach fand ein Pastor am Ort der Schlachtung eine seltene Blume, auf deren Blättern das Zeichen der Ermordung Jesu Christi zu sehen war. Die Blume, eine seltene Rose, wurde dem regierenden Erzbischof der Erzdiözese gezeigt, und dieser befahl, das Gebiet, wo diese ausgerissen worden war, aufzugraben, um die Wahrheit über das Mysterium um die gefundene Pflanze ans Tageslicht zu bringen. In der Tiefe fand man einige Reste, die eindeutig von der verstorbenen Sara stammen mussten.

Die Gebeine der hebräischen Bekehrten wurden zum heute bereits nicht mehr vorhandenen Heiligtum von San Pedro el Verde gebracht, wo sie dann erneut begraben wurde.

Von da an wurden die Rose und alle anderen ihrer Art, als Rosen der Leidenschaft bezeichnet.

Das Christusbild im Tal

Die Legende besagt...

Die Legende Cristo de la Vega gilt sowohl in Spanien als auch auf der ganzen Welt wohl als eine der meist verbreiteten und gelesenen Legenden. Zu verdanken ist dies dem unübertrefflichen Schriftsteller José Zorrilla, der diese einzigartige Liebesgeschichte in Versen zu Papier brachte, und zwar unter dem Titel:

Einem guten Richter ein besserer Zeuge

Toledo war die Stadt der Träume von Inés de Vargas und Diego Martínez, zwei jungen Menschen, die die Dunkelheit der Nacht zu ihren Gunsten nutzten, um gemeinsame Momente der Leidenschaft zu genießen. Nacht für Nacht ging der Jüngling aus seinem Haus und trat den Weg über enge Steige und steile Gassen an, um an jenen Ort zu gelangen, an dem er Licht von einer Öllampe sichtete, das aus dem Zimmer von Inés erstrahlte, die ihn bereits ungeduldig erwartete. Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen die alten Häuser beleuchteten, verließ Diego das Heim seiner Geliebten wieder. Dies tat er Nacht für Nacht bis einmal ein unglücklicher Vorfall dazu führte, dass den regelmäßigen Besuchen des jungen Mannes ein Ende gesetzt wurde.

Eines Tages, nachdem Diego sich von Inés verabschiedet hatte, machte sich der junge Mann wie üblich auf den Weg. Er seilte sich vom Balkon ab und kaum hatte er mit den Füßen den Pflasterboden berührt, entdeckte er zwischen den Schatten die Silhouette eines Mannes, den er sofort erkannte, als er aufblickte: Ihm gegenüber stand Iván de Vargas, Inés’ Vater. Verstört rannte er davon, ohne die Vorwürfe des tyrannischen Mannes wahrzunehmen, der erzürnt darauf bestand, den Jüngling auszuwählen, den Inés zum Mann nehmen sollte, oder ansonsten würden sie nichts mehr miteinander zu tun haben. Genau dies ließ er Diego auch wissen, der sofort reagierte und sagte, dass er in Kürze in den Krieg von Flandern aufbrechen, aber nach einem Jahr wieder zurückkehren und Inés zur Frau nehmen würde. Inés wollte, dass Diego sein Versprechen vor Cristo de la Vega schwor, worauf selbiger erwiderte, dass sein Wort eigentlich genügen müsste, aber dass er dies machen würde, wenn sie dann zufriedener wäre. Gemeinsam begaben sie sich zur Basilika von Santa Leocadia, die sich inmitten der Flussebene von Toledo befand. Sie traten über die Schwelle und zwischen riesigen Zypressen gelangten sie zur Kapelle, in welcher das Christusbild aufbewahrt war, vor dem Diego sein Versprechen abgeben sollte. Sie näherten sich dem Bild. Inés führte sanft die Hände ihres Geliebten zu den Füßen des Kruzifixes und fragte ihn:

-Diego, schwörst du, mich nach deiner Rückkehr zur Frau zu nehmen?

Der Jüngling antwortete:

-Ja, ich schwöre!;

Und so gingen die beiden mit fröhlicher Miene und verschlungenen Händen aus dem Tempel, in Erwartung einer glücklichen und verheißungsvollen Zukunft.

Aber das Schicksal schien es nicht gut mit ihnen zu meinen und die mutmaßliche nur kurze Zeit des Wartens zog sich unverhofft hin: Die Zeit verging, die Soldaten kehrten nach und nach aus dem Krieg zurück, aber Diego kam nicht.

Drei lange Jahre des unendlichen Wartens hinterließen Spuren im hübschen Antlitz von Inés, deren Seele weder etwas von Kriegen noch von Entfernungen verstand.

Jeden Nachmittag nach dem Besuch der Christuskapelle ging sie zur Spitze des Aussichtspunktes hinauf, denn von hier aus konnte sie alle sehen, die sich über die Stadttore in die Stadt begaben, sowohl über die Puerta del Cambrón als auch über die Puerta de Bisagra. Aber es war jeden Tag die gleiche Szene: Landarbeiter, die in den Gärten der fruchtbaren Flussebene arbeiteten, Fischer, die ihre Angeln in den Tajo warfen… aber ihr Geliebter kam und kam nicht zurück.

Eines schönen Tages, ließen ein fernes Galopp und eine dichte Staubwolke sie unerwartet aufhorchen, und als sie ihren Kopf hochhob, konnte sie die Silhouette ihres Angebeteten Diego erkennen. Die Reiter kamen näher und näher, und eilenden Schrittes machte sie sich zu ihrem Treffpunkt auf und sah, dass der Reiter, der vor sieben Lanzenträgern und zehn Fußsoldaten geritten kam, eindeutig Diego Martínez war: -Diego, du bist es!

Dies waren die Worte, die aus ihrem Munde kamen. Er allerdings – ohne mit der Wimper zu zucken – täuschte vor, sie nicht zu kennen und zog vor dem verstörten General weiter.

Inés ließ einen herzzerreißenden Schrei los und sank zu Boden. Was ist passiert? Es gab eine Antwort auf dieses unverständliche Verhalten: Vom einfachen Soldaten stieg der Jüngling zum Feldherren auf, und nach seiner Rückkehr ernannte ihn der König zum Ritter.

Er, nun Herr einer neuen gesellschaftlichen Position, wollte durch nichts und niemanden an sein früheres untertäniges Leben erinnert werden. Das Mädchen gab sich allerdings nicht geschlagen; mehrmals suchte sie ihn auf, um ihn mit Bitten und Drohungen an seinen Schwur zu erinnern, aber er erbarmte sich ihrer in keinster Weise und begegnete ihr sogar mit Verachtung.

Verzweifelt und in der Einsicht, dass ihre Bemühungen vergebens waren, machte sie sich zum damaligen Statthalter von Toledo, Don Pedro Ruiz de Alarcón, auf, um diesem ihre Situation zu schildern. Dieser, nachdem er sich die Geschichte von beiden angehört hatte, legte ihnen nahe, einen Zeugen heranzuführen. Nachdem beide dies ablehnten, ließ der Statthalter den Feldherren ziehen, aber in einem letzten verzweifelten Versuch flehte Inés:

-Rufen Sie ihn zurück!

-Ich habe einen Zeugen, der Wahrheit und Recht nie verkannte.

-Wer?

-Ein Mann, der unsere Worte von weitem hörte, als er uns von oben sah.

-Stand er auf einem Balkon?

-Nein, er befand sich unter Folter, die nach einiger Zeit endete.

-Also ist er tot?

-Nein, er lebt.

-Sie sind verrückt! Bei Gott! Wer war es?

-Cristo de la Vega, vor dessen Angesicht er seinen Schwur ablegte.

Eine Totenstille erfüllte den Saal, und nach einigen Momenten der Verwirrung waren sich Richter und Statthalter einig, dass es keinen besseren Zeugen geben könnte. Alle gemeinsam gingen sie zu besagtem Tempel: allen voraus Don Pedro de Alarcón, dahinter Iván de Vargas, seine Tochter Inés, Schriftführer, Gerichtsdiener, Wachen, Mönche, Edelmänner, Männer und Burschen.

Als die Menschenmenge ankam, waren in der Flussebene bereits Diego Martínez mit seinem Schwert in der Hand und einem Hut mit vier Silberschleifen und Goldspornen auf dem Haupt sowie eine Menge Schaulustiger zugegen. Sie traten in den Kreuzgang ein und, nachdem sie die Kerzen angezündet hatten, beteten sie vor dem Christusbild, dessen Kreuz auf dem Boden gestützt stand. Inés und Diego setzten sich an die beiden Seiten des Bildes und dahinter der Statthalter mit seinen Richtern und Wachen.

Der Notar näherte sich dem Bild, verlas zweimal die Anklage, wandte sich dem Kruzifix zu und sagte mit lauter Stimme:

-Jesus, Sohn von Maria,
vor uns heute Morgen
als Zeuge geladen
von Inés de Vargas.
Schwörst du, dass eines Tages
vor deinen himmlischen Pflanzen
Diego Martínez der hier anwesenden Inés schwor
sie zur Frau zu nehmen?

Christus senkte seine rechte Hand, legte sie auf die Akten des Notars und rief:

-Ja, ich schwöre!

Alle Anwesenden waren ergriffen, als sie das Bild mit der vom Kreuz heruntergenommenen Hand und den halboffenen Lippen sahen.

Heute noch kann man das Bild von Cristo de la Vega in dieser Position sehen. Das Bild befindet sich in der gleichnamigen Kapelle, in der früheren Basilika von Santa Leocadia, die im westgotischen Stil errichtet wurde und wo verschiedene Konzile abgehalten wurden und wo neben Santa Leocadia auch San Julián, San Eugenio, San Ildefonso, San Eulalio sowie einige Prälaten und westgotische Könige begraben liegen.

Leyenda de la Piedra o Peña del Rey Moro

Dice la tradición toledana que en las noches de luna clara y luminosa, se vislumbra una sombra flotando sobre ella y sus alrededores. Es el espíritu del príncipe Abul-Walid que sale de su tumba para contemplar las siluetas de las viviendas, jardines miradores donde cada noche paseaba con su amada reflejados en el resplandor lunar.

Corría el año 1083 y reinaba en Toledo Yahia Alkadir, nieto de Al Mamun. Alfonso VI cercaba la ciudad, arrasando las campiñas obligando a que el hambre hiciera rendirse a los musulmanes. Yahia recurrió a la amistad que le unía a Alfonso con su abuelo Al-Mamun ofreciéndole tributos, pero nada de ello hizo ablandar el corazón de Alfonso, que estaba ansioso por recuperar la ciudad que tanto bienestar le había ofrecido.

Yahia viendo que la ciudad en poco sería tomada y él no podría hacer nada, intento que los Taifas de Badajoz y Zaragoza le ayudaran pero estos esfuerzos no dieron frutos ya que el rey de Zaragoza murió antes de llevar a cabo su proyecto de ayuda y el de Badajoz murió tras ser derrotado por las tropas de Alfonso VI. Su única solución fue enviar mensajeros al otro lado del estrecho, al norte de África. Los reyes africanos escucharon la petición y antes de mandar ayuda decidieron enviar un mensajero para evaluar la situación y las necesidades reales, así les seria más fácil a la hora de saber que cantidad de ayuda mandar. La elección recayó sobre el joven guerrero Abul-Walid. Cuando el joven príncipe llegó a Toledo, este fue tratado como un héroe, ya que realmente sería su única salvación. Es por ello   que desde que Abul llegó no pararon de rendirle en su honor fiestas, torneos y grandes alabanzas, pero lo que realmente llamaba la atención del joven no eran las fiestas en su honor si no la joven y bella hermana de Yahia que día tras día ambos iban fijando mas minutos sus miradas en el otro. Así de esa forma los dos jóvenes se fueron conociendo y poco a poco enamorando, todos los días salina por la bella ciudad de Toledo recorriendo sus parajes, jardines, oliendo sus flores, la bella Sobeyha le enseñaba cada rincón de Toledo a cuál más bello, y más bello aún lo hacia tener a Sobeyha al lado.

Los dos jóvenes se enamoraron y cada día que pasaban juntos jamás lo olvidarían ninguno de los dos, Abul aunque enamorado no había olvidado lo que le llevo allí, tendría que volver a África para informar de lo que pasaba en Toledo y lo iba posponiendo hasta que un Día decidió que no podía posponerlo más.
            
La última noche antes de su partida los dos jóvenes se juraron amor eterno, ella le juró que le esperaría hasta que viniera y él le juró que regresaría y esta vez sería para no marcharse mas de su lado.

Mientras Abul se hallaba en África reclutando gente y preparando todo lo necesario para volver a Toledo  en ayuda de su amigo Yahia y con él mas intimo deseo de volver a ver a su amada, Alfonso VI se apoderó de la ciudad, que no pudo resistir por mas tiempo, Yahia tuvo que abandonar la ciudad pero no pudo llevarse a su hermana que había enfermado y al ver la tardanza de su amado, murió de pena. Pero antes de su muerte a un esclavo que desde pequeña le había atendido le dejo un último legado, que le dijera que había muerto pensando en él, pero que no intentara tomar la ciudad que se olvidara de ella y regresara a África.

No había pasado mucho tiempo cuando apareció ante Toledo un numeroso y espectacular ejercito Sarraceno, sin saber que la ciudad se hallaba en manos de los Cristianos, era Abul-Walid que después de resolver graves asuntos y de salir de una grave enfermedad se había repuesto para volver a estar junto a su amada.
         
Al llegar junto a Toledo las malas noticias llegaron a él, la ciudad había sido tomada por los cristianos,  y la peor de las noticias en Esclavo de Sobeyha le trascribía las palabras que había pronunciado su amada antes de morir, Abul se quedo muy triste y lejos de hacer caso a su amada acampo en los alrededores de Toledo, con intención de recuperar aquella ciudad que tantos buenos momentos le habían dado y que daba sepultura a su amada.
 
Los ejércitos de Abul ocuparon los alrededores de Toledo, al otro lado del río, junto  a los ahora llamados cigarrales y Academia de Infantería, y junto a sus generales empezó a estudiar las posibles ofensivas, esto llevo varios días, por las noches  en la peña más alta donde estaban acampados los musulmanes dicen que noche tras noche se veía la figura de Abul, mirando cada calle de Toledo por donde había paseado con su amada. Rápidamente los cristianos empezaron a temer la entrada de Abul ya que los comentarios eran diarios entre los ciudadanos, algunos decían que medía  dos metros, otros que era mas fuerte que un oso y día tras día eran mas los temerosos a los Árabes.

Por esto Ruiz Díaz de Vivar (El Cid)   que se encontraba en Toledo ideo un plan, y así se llevó a cabo. Una noche a favor de la oscuridad y sin que nadie lo esperase, se adelantó a las intenciones enemigas y salió de las murallas de Toledo con un numeroso ejercito, con mucho sigilo ataco a los musulmanes sin que nadie lo esperara, las sombras fueron sus mas firmes aliadas pues los moros llegaron a pelearse entre sí.

A la mañana siguiente, los musulmanes se dieron cuenta de su desastre y lo peor es que encontraron a su rey muerto, su cuerpo estaba cubierto de heridas y una flecha había travesado su corazón. Los árabes se rindieron ante el Cid y este los dejo volver a África, antes de irse a su rey lo enterraron en aquellas peñas, concediéndole el deseo de permanecer eternamente en ese lugar para poder contemplar aunque fuera de lejos la ciudad que acogió a su amada.

Pero la historia no acaba ahí, dicen los Toledanos que las noches de luna, al mirar a las piedras desde Toledo se ve el cuerpo del rey moro subida en la peña observando las calles y torreones de Toledo, por donde paseaba con su amada.

La leyenda del Baño de la Cava

Nadie sabe como murió Florinda, la hija del conde D. Julián, tras el hundimiento del imperio godo en el Guadalete; nadie supo la verdadera historia de amor que unió a esa hermosa mujer con el último rey toledano, Don Rodrigo, a quien siguen las crónicas castigando como culpable de la entrada de los árabes a España.

Pero este torreón solitario, cerca del puente de San Martín, sigue guardando el aspecto triste y nostálgico de aquellos sucesos que llevaron a Florinda la Cava a sumergirse para siempre en las aguas del río.

Don Julián, el gobernador de Ceuta, con su hija Florinda habitaban Toledo invitados por El Rey Rodrigo.

Ésta bellísima mujer acudía todos los días a la caída del sol a bañarse en las aguas del Tajo mientras Don Rodrigo contemplaba su cuerpo virginal desde las murallas de su Al Cazaba, desaparecida hoy de la parte de arriba del actual puente San Martín.

El deseo del monarca se vio cumplido a los pocos días cuando Florinda acepto unirse a sus brazos.

La felicidad embargaba la pareja, pero alguien se encargó de comunicar a Don Julián la deshonra de su hija en las manos del monarca.  
- Mi señor don Julián, traigo una noticia aterradora para vos – le comenta al gobernador ceutí un fiel suyo, y añade – Vuestra hija Florinda está siendo observada mientras se baña en el río por alguien de vuestra confianza.  
- ¿Quién es ese desgraciado que se atreve con ese semejante hecho? – le pregunta el gobernador furioso.
- El mismísimo rey, mi señor – le responde el sirviente.
- ¿Don Rodrigo?, ¡ no puedo creerlo !..., he de averiguarlo yo mismo y, si es cierto, mi venganza será terrible.

El gobernador de Ceuta montó en cólera y decidió vengar su honor ayudando a los musulmanes a entrar a la península. Y, efectivamente, los árabes poco después derrotaron a rey Rodrigo en Guadalete.  

Los hechos son estos pero ¿qué fue de los personajes de esta historia?.

Don Rodrigo, después de sufrir una depresión terrible, murió transformado en ermitaño; Don Julián y sus aliados fueron muertos por los mismos árabes, y Florinda, la bella Florinda, loca de dolor y de vergüenza, vino a terminar sus días en este mismo torreón, mudo testigo de estos hechos.  

Poco tiempo después de esto, los habitantes de esta zona junto a la Puerta del Cambrón y a San Juan de los Reyes, comentaban con terror la aparición de una mujer loca y desmelenada que recorría la orilla del río, gritando a veces y murmurando palabras sin sentido. Muchos intentaron pedirle explicación pero ella huía, sin que nadie pudiera seguirla.

¿Era la bella Florinda?. ¿Era un espectro, o un ser humano?. ¿Era real esta mujer o sólo fruto de la imaginación?. Preguntas que dieron muchas leyendas. Pero aquella mujer no quería ver a nadie, sólo parecía querer vivir en la sombra hasta que desapareció y nadie volvió a verla.  

Años después, un hecho extraño vuelve a revivir estos acontecimientos.

En pie sobre el torreón, cuando la tempestad envolvía la ciudad, aparecía una figura sin vida, con el cabello suelto al aire, volviendo su triste mirada a todas partes.

Algunos fieles acudieron al valle, para buscar remedio para ese mal, a un viejo ermitaño, que se acercó una noche a este lugar y al que, tras muchas oraciones, se le apareció la figura que le describieron los testigos.

- En nombre de Dios, el misericordioso y todopoderoso, ¿quién eres, alma en pena y qué buscas cada noche en estos parajes? -le manifestó el ermitaño a la figura, mientras procedía a realizar su rito.

De repente, la mujer se llenó de vida aquella noche y le dijo con una voz agonizada:  

- “Yo soy Florinda la maldita, Florinda la Cava, la hija impura del conde D. Julián. Cuando supe que España era, por mi crimen, esclava de los hijos de Mahoma, una voz interior se alzó en lo más profundo de mi alma, mandándome venir, sin tregua ni descanso, a este lugar de mis culpas, a buscar mi honor perdido en el Tajo. Perdí la razón, pero no lo bastante para dejar de oír esta voz acusadora; mi vergüenza y mi dolor me mataron; aquí, en este sitio, testigo de mis torpes placeres, yace insepulto mi cuerpo; mi alma aparece todas las noches, en penitencia para llorar eternamente mi falta; y evocada por mi llanto, el alma de Rodrigo baja también a llorar la suya a las rotas almenas de su palacio. Bendice en nombre del altísimo este lugar maldito, y mi alma no volverá a aparecer en ellos.”  

Tras un instante, la sombra desapareció en medio de los humos de incienso que habían envuelto el lugar.

El ermitaño bendijo el lugar en nombre de Dios, rezó por las dos almas, y desde aquel día no volvió a verse en Toledo la sombra de Florinda.

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